Am Wegesrand steht eine Rose.

Welch schöne Rose!

Wir stellen es fest und gehen weiter. Immer gehen wir weiter.

Wir haben verlernt zu verweilen.

Doch nur im horchenden Verweilen kann uns das Zeitlose in der Zeit, das WESEN begegnen,

das in und jenseits der Rose und aller Dinge ist.

Karlfried Graf Dürckheim


 

STILLE

 

Als ich vor fast 40 Jahren Karlfried Graf Dürckheim auf seinen Spaziergängen im Schwarzwald begleiten durfte, blieb er manchmal abrupt stehen und sagte:

“Hör mal Renate, hörst Du die Stille hinter der Stille?“

Ich horchte und vernahm das sich entfernende Geknatter eines Motorrades und dachte Aha, und verstand gar nichts. Aus der Stille des Hochtals von Todtmoos-Rütte zog ich damals direkt an die Mauer in Berlin-Kreuzberg. Dort war der sogenannte Todesstreifen an dieser Stelle besonders breit, eine ganz andere Stille, die Rufe der Dohlen verbinde ich mit diesem Ort.

Von dort ging es in eine alte Jugendstilvilla mit großem Garten in einen Vorort von Hamburg. Mit der Stille dort hängt für mich das ferne Rauschen der Autobahnen, je nachdem wie der Wind stand, zusammen.

Und dann wohnte ich in Arnis an der Schlei, direkt am Wasser. Hier wurde die Stille bei Sturm durch das Geklapper der Wanten an den Metallmasten der Segelboote unterbrochen.

Die nächste Station war ein Ateliergebäude in einem Hinterhof in Hamburg-Eimsbüttel. Auch da war es trotz Großstadt so still, dass Josef nachher das Muhen der Kühe auf der Wiese neben unserem Haus in Groß-Quern als unerträglich laut empfand! Die Kühe sind schon vor Jahren umgezogen.

 

Diesen Ort hier, die Alte Schmiede, ist ein Ort der Stille, ein Ort der Begegnung.

Begegnung mit sich selbst ist gemeint.

Und die Alte Schmiede heißt jetzt seit einigen Jahren “FriedensWinkel“.

 

Dieses Wahrnehmen der Stille über das Außen wurde in den Jahren immer mehr zu einer Erfahrung der Stille im Innen. Nach Jahren – beim Wiederlesen dieses Textes – erkannte ich, diese tiefe Stille war schon immer in mir und mir zutiefst vertraut. Gehindert das zu erkennen, war „es müsste anders sein“.

 

Bei Bernadette Roberts, aus “Jenseits von Ego und Selbst“, Erfahrungsbericht einer spirituellen Reise, habe ich einen Absatz über ihre Wahrnehmung der Stille gefunden.

 

„Die Stille mit ihren verschiedenen Arten und Abstufungen war mir aus früheren Erfahrungen vertraut. Es gibt eine innere Stille und eine, die sich von außen herabsenkt. Es gibt eine Stille, die das Dasein beruhigt und eine, die das ganze Weltall ausfüllt. Es gibt die Stille des Selbst und seiner Eigenschaften – Wille, Denken, Erinnern und Gefühle. Es gibt eine Stille, in der nichts ist und eine, in der etwas ist. Und schließlich gibt es die Stille ohne ein Selbst und das Schweigen Gottes. Wenn es einen Weg gibt, an dem sich meine kontempla-tiven Erfahrungen veranschaulichen lassen, so ist es dieser sich ausbreitende und vertiefende Weg der Stille.“

 

Renate Maria Grzimek

 


 

 

 

Die Brücke

 

Lasst uns eine Brücke bauen.
Eine Brücke zwischen Himmel und Erde,
Zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit,
Damit GOTT MENSCH WERDEN kann.


Lasst uns eine Brücke bauen.
Eine Brücke, die Einheit schafft,
Die zwischen DU und ICH die Kluft überwindet
Und die Herzen öffnet.


Lasst uns eine Brücke bauen.
Eine Brücke des Herzens,
Im Namen des Heiligen Geistes
Als Hoffnung, Glaube und Liebe.


Lasst uns eine Brücke bauen.
Eine Brücke der Gemeinschaft,
Die ein- und ausatmend ein Ort der Stille
Und ein Impuls zu neuem Leben wird.


Lasst uns gemeinsam eine Brücke bauen,
Durch welche jeder SEINEN WEG findet,
Der Wahrheit begegnet, und
Das ICH BIN zum Leben erwacht.


LASST UNS ZUR BRÜCKE WERDEN,
Die Schöpfung vollenden.
Durch das Werden des Seins
Den AUFTRAG erfüllen.

 

Agnes Hidveghy


 

 

An meine Mitschwimmer

Es gibt einen Fluss,
der jetzt sehr schnell fließt.
Er ist so mächtig und schnell, dass einige Angst haben werden.
Sie werden versuchen, sich am Ufer festzuhalten.
Sie werden spüren, dass sie zerrissen werden
und werden sehr leiden.

Wisset, dass der Fluss seine Bestimmung hat.

Die Ältesten sagen,
wir müssen das Ufer loslassen und
uns abstoßen in die Mitte des Flusses.
Behaltet Eure Augen offen
und Eure Köpfe über Wasser.

Und ich sage:
sieh' wer mit Dir darinnen ist
und feiere!

In dieser Zeit in der Geschichte
sollen wir nichts persönlich nehmen.
Am allerwenigsten uns selbst.
Denn in dem Moment, in dem wir das tun,
kommt unser spirituelles Wachstum und
unsere innere Reise zum Stillstand.

Die Zeit des einsamen Wolfes ist vorbei.
Sammelt Euch!

Verbannt das Wort Kampf aus
Eurer Haltung und Eurem Vokabular.

Alles, was wir jetzt tun,
muss in einer heiligen Weise getan werden
und als Fest.

Wir sind die,
auf die wir gewartet haben.

Botschaft von den Hopi Ältesten, Neujahr 2000
Oraibi, Arizona - Hopination


 

Liebe

 

 

„Die Achse der Liebe geht durch die ganze Schöpfung und bringt die Energie der Liebe zu jedem Atom.

Sie bringt Farbe in die Welt und bringt Sinn und Schönheit ins Leben. Ohne sie gäbe es in der Welt keine Freude, keine Hoffnung und keine Liebe.“                           Lewellyn Vaughan-Lee aus dem Buch „Awakening the World“

 

 

 

Von der Liebe

 


In jedem Augenblick geschieht, was geschehen soll.

 

Die An- oder Abwesenheit der Liebe entscheidet, ob sich das Geschehen „erfüllt“. Nehme ich, was immer ich in mir und um mich erfahre ( sei es die Freude, der Erfolg, der Misserfolg, das Unglück, der Schmerz...) in Liebe an, so erfüllt sich die „Absicht des Seins“ und der Fluss des Lebens geht ungehindert weiter. Anerkennen, was immer geschieht, führt aus der Getrenntheit und dem Kampf ums Überleben zur Einheit mit allem Sein, zum wahrhaften lebendigen Leben.

 

Halte ich fest am Glück oder Unglück, etwa um es zu beherrschen, indem ich die Ursachen erforsche, um es zu halten oder zu vermeiden, so ist es, wie wenn ich mich in der Strömung des Flusses befinde und mich dabei am Ufer immer wieder fest kralle – das erzeugt Leiden.

 

Die Liebe ist überall.

 

Sie ist wie die Luft zum Atmen, sie ist die Ursubstanz der Schöpfung. Sie ist so selbstverständlich, dass wir ihre allgegenwärtige Existenz vergessen haben. Wenn sie bei uns beginnt, in der dankbaren Zuwendung zu uns selbst und dem Geschenk des Lebens, fließt unser Lebensfluss ungehindert und fröhlich.

 

Menschen, die sich nicht lieben können, sind geradezu der Beweis für diese Erkenntnis: wo immer Menschen sich – in Teilen oder ganz und gar - nicht annehmen können in Liebe ( aus Gründen des Karma, der frühkindlichen Schädigung., der kollektiven Normen....) suchen sie in verzweifelter Akribie nach der Liebe und Anerkennung im Außen und machen sich abhängig von dem, was um sie geschieht und verwenden ihre gesamte Aufmerksamkeit – getrieben von Angst - auf die Suche nach Applaus oder Gefahr.

 

Nach meiner Erfahrung erfordern Menschen, die sich als keiner Aufmerkdamkeit wert betrachten, paradoxerweise die meiste Aufmerksamkeit: sie leben in unkontrollierbaren Ängsten und produzieren Chaos in ihrer verzweifelten Suche nach ihrem Platz in der Welt. Sie schreien nach Hilfe und können sich doch im Ende nur selbst helfen, indem sie sich zu lieben beginnen, weniger, obwohl die Eltern das nicht vermochten sondern vielmehr, weil das Leben sie gerufen hat, hier zu sein.

 

 

Ja, nach jahrelanger Arbeit als Psychotherapeutin wage ich heute zu sagen, alle psychischen Störungen mitsamt ihren körperlichen Symptomen können gesehen werden als verhinderte Liebe, misslungene Suche nach ihr. Die Annahme des eigenen Schicksals wird verhindert aufgrund des Glaubens, von dem großen Sein getrennt und verloren zu sein und daher selbst das Schicksal steuern zu können und zu müssen.

 

Sich und das eigene Schicksal anzunehmen - warum ist das so schwer ?

 

Weil es bedeutet, sich dem Fluss des Lebens demütig auszuliefern und bereit zu sein, was immer kommt zu durchleben. Es bedeutet, auch das Schwere anzunehmen. Wer je das Schwere in seinem Leben angenommen hat ( oftmals, weil es keine andere Wahl gab ), weiß, dass wir in höchster Not in eine „Verbundenheit“ hinein fallen können, die eher als Größe und Tiefe denn als Leid empfunden wird. Somit könnte man es doch eigentlich wagen, sich dem Leben hin zu geben.

 

Doch unser Ego, entstanden aus dem Erleben des „Getrenntseins“, getrieben von unseren Vorstellungen, wie wir es gerne hätten, damit es gut sei, möchte dies verhindern; es lebt von vermeintlich wunderbaren Bildern, die sich erfüllen sollen, statt vom Lauschen auf den Klang des Seins. Nur im Lebendigsein im Augenblick „ohne Netz und doppelten Boden“ kann sich das ganze Potential der Liebe entfalten.

 

Mechthild Hammacher


Der Engel

 

 

 

Mit einem Neigen seiner Stirn weist

 

Er weit von sich was einschränkt und verpflichtet;

 

Denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet

 

Das ewig Kommende das kreist.

 

 

 

Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,

 

und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -.

 

Gib seinen leichten Händen nichts zu halten

 

Aus deinem Lastenden. Sie kämen denn

 

 

 

bei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,

 

und gingen wie Erzürnte durch das Haus

 

und griffen dich als ob sie dich erschüfen

 

und brächen dich aus deiner Form heraus.

 

 

 

R.M.Rilke